ONE(wo)manShows

AUSNAHMEZUSTÄNDE kennen wir besser als unsere Westentasche. Oder Geldbeutel.
Reichlich wenig ändert sich gerade an unserem Leben. Kaum was. Bei den ein oder anderen gar nichts.

Denn bei genauerer Betrachtung müsste / sollte auch dem Letzten von uns ONE(wo)manShows, also Freelancern / Freiberuflern / Einzelunternehmern / Ein-Personen-Betrieben gedämmert sein, dass wir ja grad so ziemlich genau dieselben Umstände haben, die wir sonst auch haben, jedenfalls längst bestens kennen dürften.

ABSAGEN von Jobs / Aufträgen / Projekten, mit denen man gerechnet hat, vielleicht hat man auch schon dafür gearbeitet.

ANGST und UNSICHERHEIT vor morgen, vor in ein Paar Wochen, Monaten, Jahren und natürlich im Alter.
Dauergefühl!

UNSTETE EINNAHMEN. Nicht zu wissen, wann / ob der nächste Auftrag kommt, wann die nächste Zahlung. Vielleicht ist ja der Kunde auch schon längst PLEITE. Oder man selbst.

HAMSTERKÄUFE (und Hamsterzahlungen) Man kauft ein, wenn man grad kann. Wer weiß, ob man sich nächste Woche noch den guten Wein aus ITALIEN und das feine Fleisch vom Biometzger holen kann. Und man zahlt natürlich, was offen ist, wenn man’s grad hat.
Well known..

WARTEN, warten, warten. Auf die NÄCHSTE INFO. Vielleicht wieder eine, die alles noch mehr auf‘m Kopf stellt. Ständige FLEXIBILITÄT und vor allem ANPASSUNG vorausgesetzt. Immer verständnisvoll, aber auch FIT & GESUND bleiben, um jeden Preis, damit man sich an jegliche veränderte Umstände oder Vorgaben von nächst höherer Stelle jetzt, gleich, sofort anpassen kann.

KRANK SEIN, Arzt aufsuchen, Krankschreibung, Krankengeld, finanzieller Puffer, Rücklagen… Was zum Henker ist das? Fremdwörter vielleicht.

REISEN? URLAUB? No way! Und wenn, dann wird es sicherlich aus altbekannten, extern geleiteten Gründen spontan verkürzt, verändert, verschoben oder abgesagt.
Dabei immer schön den Ball flach halten, die RUHE BEWAHREN und KOMPROMISSBEREIT sein: gegenüber der Familie, den Freunden, dem Partner. Sind ja nicht alle so „free“ wie man selbst, sondern mehr „lanced“.

HOMEOFFICE vs. Officehome:
Joggers oder doch was Schickes, Hippes anziehen, auch wenn dich keiner sieht?
Daheim sind wir angeblich unser eigener Chef, also hat man nicht nur sein Äußeres, sondern auch seine PRODUKTIVITÄT und EFFIZIENZ mit sich selber auszumachen.
Dann aber dieses latent mitschwingende Gefühl von SCHLECHTEM GEWISSEN, wenn man mal grad nicht so kreativ ist, nicht vor Effizienz strotzt. Oder müde. Ach, DIE COUCH IST JA SO NAH! Oder lieber die Wäsche machen würde / müsste / sollte oder SPORT! – mitten unter der Woche zu normaler Arbeitszeit. Geht das?
Und nein, das Bewusstsein, dass man ja sonst ständig arbeitet, mindestens der Kopf – am Wochenende, an Feiertagen, in der Nacht, ja sogar im Schlaf, das schwingt leider kaum mit… Also chillen? Auch no way!

BEDENKEN, was SINN und NUTZEN unseres Tuns betrifft. Ökonomisch, ökologisch, gesellschaftlich? Ja, „der Mensch“ ist halt um einiges näher bei einem „Ein-Personen-Betrieb“ als beim Weltkonzern, bei der AG usw. Nicht die Wirtschaftlichkeit allein steht im Fokus. Also muss man sich mit dem sozialen Umfeld, mit der GESELLSCHAFT auseinandersetzen. Und mit den Folgen. Ob man nun Bock hat oder nicht.

ZWEIFEL zu haben, nicht zu wissen, ob man das Richtige tut. Verhalte ich mich SOLIDARISCH? Ist das, was man tut und wie man es tut, ETHISCH, MORALISCH, SOZIAL vertretbar? Kennen wir doch scho längst.
Einerseits die neidvollen Blicke auf unser scheinbares Lotterleben… „ja geil, du bist selbständig, kannst tun und lassen was du willst, wann du es willst und kommst auch noch rum ….“
Andererseits, ein mächtiger UNSICHTBARER DRUCK durch jene Gewissheit, dass unsere Micro-Art der Selbständigkeit hauptsächlich von großer VERANTWORTUNG getragen wird und wir sie insgeheim und ganz banal in „selbst&ständig arbeiten“ definieren.

Dann aber, ein plötzlich aufflammendes Interesse für Konsum-Overdoze vs. ENTSCHLEUNIGUNG. Achtsamkeit und so… begleitet von einem sich immer tiefer einschleichenden AHA-EFFEKT, Gedankenspiele über die Machbarkeit großer Veränderungen, maybe back to the roots? Oder zumindest zum Wesentlichen. Aber was ist überhaupt das WESENTLICHE?
Vielleicht doch nur die ernüchternden Erkenntnis, dass richtig krasse, fette Weltveränderung einfach nicht möglich ist? Auch nicht nach einem totalen KNOCK-OUT? Und dass Macher(innen), Weltveränderer, Weltverbesserer auch in der Zeit danach, in der NEUEN WELT keinen so richtigen Platz haben, dieselbe Rolle spielen werden wie eh und je und doch nur Träumer und Spinner bleiben….

Wichtigkeit, Sichtbarkeit, MITSPRACHE- & MITENTSCHEIDUNG? Wir sind – in der Werbung, in den Medien, im sozialen Bereich – wesentlicher Antrieb des Großen und Ganzen, der Wirtschaft und dessen, was Kritiker als „System“ bezeichnen. Somit zu wichtig, um zu den Unwichtigen zu zählen. Aber zugleich zu klein, zu unwichtig, um eben zu den Wichtigen zu zählen. Also reell betrachtet bislang nix Halbes und nix Ganzes. Bislang jedenfalls.

AAABER…

hey, immerhin waren wir „Einzelunternehmer“ irgendwie schon immer in der Lage, Sinne besser zu schärfen, über den Tellerrand hinaus zu blicken, vielleicht einwenig anders wahrzunehmen. Und über das bestens (selbst)getestete Tool verfügen, in uns zu gehen, immer wieder zu REFLEKTIEREN und uns neu zu erfinden.
Und dann wieder reflektieren, reflektieren, reflektieren. Und wieder NEU ERFINDEN….

Also irgendwas zwischen BUSINESSLEUTE und LEBENSKÜNSTLER, für die es (noch) keine Schublade gibt.

DAHER…

sind wir One-(wo)man-Shows ja vielleicht die einzigen, die auf so ne Nummer hier vorbereitet waren. Zumindest intuitiv.
Und vielleicht werden wir sie ja deshalb viel besser rocken!!!

Weil wir AUSNAHMEZUSTÄNDE bestens kennen, sie gehören zu uns wie Haut und Knochen. Wir sind DRAMA-ERPROBT, ja sogar PANIK-ERPROBT. Und deshalb in der Lage, viel besser damit umgehen. Ja vielleicht sind wir sogar so etwas wie VORREITER. PIONIERE. Wär’ das nicht cool??!!
Und wir könn(t)en andere inspirieren, ihre Ängste, Bedenken, Unsicherheiten und Zweifel reduzieren. Ihnen vielleicht sogar Mut machen.

Angesichts der Tatsache, dass es das allererste Mal EVER! ist, dass sogar die Politik uns kleine Würstl auf‘m Schirm hat, könn(t)en wir doch zurecht guter Hoffnung sein, dass wir die ersten sein werden, die mit unseren besonderen Skills gefragt sind, wenn’s wieder heißt „so, jetzt ist der Spuk vorbei, jetzt muss die Wirtschaft wieder angekurbelt werden“. Softskills werden zu Hardskills. Und es ist unsere Zeit. Einfach weil wir die spontansten, KRISENERPROBTESTEN, flexibelsten sind. Und am geschicktesten darin, zu reflektieren, zu beurteilen und zu IMPROVISIEREN.

Und wenn Letzteres sinnlos sein sollte und sich nur als Spinnerei von mir entpuppt, dann bleibt doch wenigstens die Hoffnung, dass „alle anderen“ unser Tun, unsere Lebensumstände und Gefühle in Zukunft besser verstehen, vielleicht sogar nachempfinden können und sie einwenig emphatischer werden im Umgang mit uns. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Meine nie.

Ich schreibe das hier, weil ich in den letzten Tagen oft gefragt wurde „wie es mir denn gehe?“, hauptsächlich von Freiberuflern. Folglich interpretiere ich die Frage beruflich. Nun ja, es geht mir wie immer. Und ich wünsche mir für all meine Mitstreiter, dass sie das auch so sehen. Wenn nicht, will ich sie dazu ermutigen. Und für alle anderen #welcomeintomyworld

Nachtrag: essay > essayer (franz.) = versuchen  > mein Versuch, Mut zu machen

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