Steckenpferde

Ein jeder Fotograf hat irgendein persönliches Faible, ein „Steckenpferd“ wie ich es gerne nenne. Vielleicht ein persönliches Thema, das einen triggert und den Bildern eine persönliche Handschrift verleiht. Oder eine visuelle Aussage, eine versteckte Message, eine Lieblingsfarbe, Pose oder ein bestimmtes Licht… irgendetwas, das einen selbst berührt und das man in seinen freien Arbeiten einfließen lässt – in meinem Fall auch mal gern nach Möglichkeit in Auftragsarbeiten reinschmuggelt 😉

Dass mein eigenes STECKENPFERD hauptsächlich, gut und gerne frühmorgens im Gegenlicht AUSTRITT, ist im Großen und Ganzen kaum zu übersehen. 

Aber warum eigentlich?

Nun ja, nicht dass ich nicht abends gern einen Rotwein (zu viel) trinke und morgens umso lieber ausschlafen würde, aber im Laufe der Jahre habe ich die Erfahrung gemacht, dass es konfuserweise ausgerechnet die saufrühe Zeit am Morgen ist, in der man Menschen nicht nur in ihrer äußerlich pursten und authentischsten, sondern innerlich emotionalsten und ehrlichsten Weise erlebt:

Kurz vor Sonnenaufgang auch mal introvertiert, gedankenverhangen oder gar grandig und genervt. Müde eben. Oder aufgedreht, erwartungsvoll, voller Energie und Tatendrang… jedenfalls insofern es sich nicht um jene handelt, die am Vorabend mit mir den Wein geleert haben. Vielleicht aber auch etwas dünnhäutiger, empfindsamer, aber vor allem am klarsten und ehrlichsten gegenüber sich selbst. Folglich gegenüber mir und meiner Linse. 

Beste Zeit also, um Menschen während des sich selbst REFLEKTIERENs einzufangen. 

Mit der sich erhebenden Sonne dann das kurze Zeitfenster, in dem es scheinbar KLICK macht im Kopfinneren des Darstellers. Oder AHA. Tief ein- und dann laaaaaang und laaaaaaaangsam aaaaausatmen… und dann ZACK!, Entscheidung fällen – für sich selbst und über sein eigens Leben. Dass es „ja doch ganz schön ist“. Dass man’s „ja eigentlich echt gut hat“. Und richtig dankbar ist. Oder es zumindest sein müsste. Trotz aller Schwierigkeiten, Sorgen, Nöte, Ängste, Zweifel, Wünsche, Ziele, Träume… auch geplatzter Träume. Oder eben genau deswegen.

Menschen zu erleben während eines kurzen Moments scheinbaren Neuanfangs, losgelöster Freiheit oder Aufbruchsstimmung, begleitet von einem tiefsinnigen, zufriedenen, ehrlichen Smiley ohnegleichen, ist Gold wert für einen Fotografen. Für mich jedenfalls!  Ja, vielleicht gehen nicht einmal die Mundwinkel nach oben, aber man sieht und spürt es – an der Körperhaltung, am Blick, an der Mimik und Gestik, am Atem. Freude und Zufriedenheit ungespielt und in seiner reinsten Form.

Zwei extremere und zueinander gegensätzlichere emotionale Begegnungen in so kurzer Zeit, quasi in wenigen Minuten zu erleben und einzufangen, geht kaum anders! Jedenfalls nicht geplant. Nennen wir’s mal Freestyle-Kommando. Passt ja auch gut zu den Pferden.

Und ich muss quasi nichts dafür tun…. Ok, außer vielleicht den ein oder anderen Mitwirkenden mit jeglichen, mir zur Verfügung stehenden Mittelchen der KÜCHENPSYCHOLOGIE zu überreden, zu doch so unchristlicher Zeit mit mir IN DEN TAG ZU STARTEN.

(Nachtrag)

Was den psychologischen Part betrifft, ist es natürlich in Wirklichkeit um einiges mehr als nur das. Vielleicht gar so viel mehr, dass ich selbst eine ganz schöne Weile brauchte bis ich es begriff. 

Aber dazu mehr in meinen nächsten Beiträgen…

Privacy Settings
We use cookies to enhance your experience while using our website. If you are using our Services via a browser you can restrict, block or remove cookies through your web browser settings. We also use content and scripts from third parties that may use tracking technologies. You can selectively provide your consent below to allow such third party embeds. For complete information about the cookies we use, data we collect and how we process them, please check our Privacy Policy
Youtube
Consent to display content from Youtube
Vimeo
Consent to display content from Vimeo
Google Maps
Consent to display content from Google